Luise bei den Kanallotsen

Der Nord-Ostsee-Kanal verbindet Ost- und Nordsee. Damit die Schiffe im engen Kanal nicht auf Grund laufen gibt es die Kanallotsen, die im Kanal die nautische Führung der Schiffe übernehmen. Luise hat die Kieler Kanallotsen besucht und mit ihnen über die Herausforderungen ihres Berufs gesprochen.

Schleswig-Holstein ist bekannt als das Land zwischen den Meeren. Damit die Schiffe schneller von der Ostsee in die Nordsee gelangen – oder natürlich andersrum – können sie den Nord-Ostsee-Kanal nutzen. Er verbindet die beiden Meere zwischen Kiel und Brunsbüttel. Dadurch sparen die Schiffe immerhin rund 480 Kilometer Fahrt um Dänemark. Da der Kanal recht eng ist übernehmen die sogenannten Kanallotsen die nautische Führung im Kanal. Sie kennen den Kanal wie ihre Westentasche, sind über Arbeiten, Verkehr und Leben in und um den Kanal informiert und wissen so, an welchen Stellen besondere Vorsicht geboten ist. Sie sollen eine unfallfreie Fahrt auf dem viel befahrenen Gewässer garantieren. Ziel ist es, den Transport der Güter unbeschadet schnellstmöglich von A nach B zu gewährleisten. Jährlich werden 100 Millionen Tonnen Güter durch den Kanal gefahren. Doch nicht nur der sichere Warenaustausch ist Ziel der Schiffslotsung. Ein in Seenot geratenes Schiff birgt auch Umweltrisiken für Land und Gewässer.

Lotsen arbeiten freiberuflich und beziehen ihr Einkommen aus den Abgaben der Schifffahrt. Sie sind in einer Lotsenbrüderschaft organisiert. Da Schleswig-Holstein mit rund 300 Losten Lotsenland ist, hat sich Luise über die aktuellen Herausforderungen des Berufs informiert.
Bei einer Fahrt von der Kieler Schleuse bis zur Lotsenstation Rüsterbergen bei Rendsburg sprach sie Kapitän und Kanallotse Martin Finnberg.

Da die Lotsen pro Schiff abgerechnet werden, spüren sie abnehmendes Verkehrsaufkommen auf dem Kanal empfindlich. Ist die Schleuse außer Betrieb, wie beispielsweise letztes Jahr nach dem Unfall der Arcadia, und es fahren nicht die üblichen 80- 100 Schiffe durch den Kanal, merken sie das deutlich. Wichtig ist für ihr Einkommen daher, dass die Wasserstraße weiterhin befahrbar bleibt. Und dazu zählen funktionierende Schleusentore ebenso wie der Zustand der Wasserstraße. Reparaturen und Instandsetzungen sind äußerst langwierig. Für die Sanierung der zweiten Schleuse sind 10 Jahre angesetzt. Das ist deutlich zu lang.

Obwohl in der Seefahrt die Arbeit als Lotse zu den begehrten Jobs gehört – nahezu geregelte Arbeitszeiten im Gegensatz zu 3 Monaten auf See – ist es problematisch, Nachwuchs zu finden. So ist in der Diskussion, ob die Anforderungen an die Ausbildung zum Lotsen reformiert werden sollen beziehungsweise muß, ohne den Beruf zu entwerten.

Als Luise nach drei Stunden von Bord des italienischen Tankers Granato geht, hat sie viel über den Arbeitsalltag eines Kanallotsen, aber auch der Kanalsteuerer und das Leben von Seeleuten erfahren. Ihr Wissen wird sie in ihre Politik einfließen lassen.

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