Pop- und Subkultur fördern – Räume schaffen – Freiräume dulden

Angesichts eines weltweiten Rechtsrucks erfahren Kulturschaffende immer mehr Restriktionen und Anfeindungen. Am 14. Mai veranstaltete die Bundestagsfraktion von Bündnis 90/Die Grünen die Veranstaltung „Under pressure – Kunst und Freiheit“, die rund 300 Kreative, Kunst- und Kulturschaffende in den Bundestag lockte. Erhard Grundl, der Fraktionssprecher für Kulturpolitik, initiierte den Abend um mit den Kulturschaffenden über die Frage „Was brauch die Kunst um frei zu sein?“ zu diskutieren.

Luise unterstützte den Abend im Rahmen einer sogenannten Ansprechbar. An einer Ansprechbar vertiefen die Interessierten im kleinen Kreis das jeweilige Thema. Ihr Thema „Popmusik und Subkultur – Welche Unterstützung brauchen wir?“  moderierte sie gemeinsam mit Niko Hüls, dem Chefredakteur des Hip Hop Magazins Backspin.

Ob Popkultur, Popmusik sowie Subkultur – es waren sich alle einig, dass alles, was sich jenseits des Mainstreams oder dem Hochkulturbegriff bewegt, in der Regel nicht als Kunst oder Kultur anerkannt wird. Das hat natürlich Konsequenzen für die finanzielle Förderung, aber auch für die Selbstwahrnehmung der Kreativen und Kulturschaffenden.

Hip Hop wird zum Bespiel nicht als Kunstform gefördert, sondern nur, wenn es einem weiteren Zweck dient, zum Bespiel der Integration im Bereich der Jugendhilfe. Die damit einhergehende Festlegung, was unter Kunst und Kultur zu verstehen ist, wird nicht problematisiert. Dabei ist es ja gerade nicht Aufgabe der Politik zu definieren, welche Werke kulturellen Wert haben oder nicht. Im Gegenteil, dies widerspricht der Freiheit der Kunst.

Die konkrete Förderung von Subkultur ist auch insofern problematisch, da sie sich per Definition von der Mehrheitsgesellschaft abgrenzt. Kreativen Ideen und Impulse würden durch bürokratische Strukturen, die Bedingungen und konkrete Ergebnisse an in ihre Förderungen knüpfen, leiden und verpuffen. Subkultur im Förderungskorsett – das würde das Konzept ad absurdum führen.

So stellt sich die Frage, wie fördert man einen Bereich, der nicht auf klassische Weise gefördert werden kann und oder will?

Eigentlich ist die Antwort recht simpel: mit Räumen. Das wichtigste ist Räume und Freiräume zu schaffen, in denen sich Pop- und Subkultur sowie Kreative frei und ohne Vorgaben entwickeln können. Diese Bedingungen zu schaffen, dafür ist Politik zuständig.

Dazu zählen ganz konkret niedrige Mieten. Oder die Bereitstellung von Proberäumen. Die Bereitschaft, bestimmte Lautstärken zuzulassen. Denn was für den einen Lärm ist, ist für den anderen Musik.

Neben der Bereitstellung von Infrastruktur muss auch die Frage gestellt werden, wie wir Kreativen und Kulturschaffenden soziale Sicherheit gewährleisten können. Häufig fallen Kulturschaffende durch das Netz der sozialen Sicherung und leben oft in prekären Verhältnissen. Die selbstständige Veranstalterin eines kleinen Kunst- und Musikfestivals hat ein anderes Einkommen als eine Angestellte einer großen Firma. Aber trotzdem ähnliche Lebenshaltungskosten. 

Kulturelle Veranstaltungen stehen häufig in Konkurrenz mit anderen Themen wie Wohnraum, Umwelt- und Lärmschutz. Letztendlich ist es ein Aushandlungsprozess, wieviel Kultur wir in unserer Gesellschaft zulassen wollen. Eine offene Gesellschaft ist dafür aber Grundbedingung.

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